Meine geplante Nierentransplantation 2025 und warum es doch nicht geklappt hat

Nach langer Zeit mal wieder: wir müssen flüstern! Es ist der 16.12.2025 ganz genau um 21:14 Uhr, wir lagen auf der Couch, guckten TV und haben den Tag ausklingen lassen. Ein Anruf der alles verändern sollte, dachte ich zumindest. Doch es kam alles anders. Aber fangen wir von vorne an.
Inhaltsverzeichnis
"Wir haben ein Angebot für Sie!"
"Ring...ring..."" (Mein Handy klingelt)
"Guten Abend Frau Reich, Dr. XYZ am Apparat vom UKE (Universitätsklinikum Eppendorf). Wie geht es Ihnen? Wir haben ein Angebot für Sie: eine Organanfrage und glauben, dass die Niere für Sie passend wäre. Wann können Sie in der Klinik sein? ... Okay, dann packen Sie bitte Ihre Tasche und fahren los!"
Auch wenn man jeden Tag auf solch einen Anruf hofft, kommt es dennoch unerwartet. Ich war erstaunlicherweise sehr gefasst, im Gegensatz zu meinem Mann, der sich in solch einer Situation noch nicht befand (er hatte Tränen in den Augen).
Im UKE etwa um 22:45 Uhr angekommen, mussten wir uns erst einmal in der Zentralen Notaufnahme melden, um auf die Station verwiesen zu werden, auf der der zuständige Arzt schon auf mich bzw. uns wartete. Nach einer kurzen Begrüßung ging der Marathon dann auch schon los.
Aufklärung und letzte Untersuchungen
Nach 20 Blutröhrchen, die zur Bestimmung des Spenders und mir noch einmal gekreuzt werden mussten, und die einige Zeit in Anspruch nahmen, schickte mich der Arzt nach dem Aufklärungsgespräch und den Untersuchungen dann in die ZNA (Zentrale Notaufnahme) zurück, um meinen Brustkorb einmal zur Kontrolle röntgen zu lassen. Als nach unendlich langer Wartezeit dieses erledigt war, gingen wir um ca. 01:00 Uhr wieder zurück auf die Transplantationsstation, wo ich dann erst einmal ein Bett in einem Arztzimmer zur Verfügung gestellt bekommen habe. Eine nette Schwester nahm noch schnell diverse Abstriche u.a. aus Rachen und Nase. Dieses Vorgehen ist stets notwendig, um eine Ansteckung mit bestimmten Keimen auszuschließen. So, auch das war nun also alles erledigt.
Mein Mann und ich haben es uns dann erst einmal so gut es ging gemütlich gemacht und uns in das vom Arzt zur Verfügung gestellte Bett gelegt, um jetzt endlich mal ein wenig herunterzukommen. Die Müdigkeit hat dann aber auch nicht lange auf sich warten lassen, es war ja schließlich schon kurz nach 01:00 Uhr in der Nacht. Ich versuchte die Augen ein wenig zu schließen, was "so naja" geklappt hat. In regelmäßigen Abständen waren immer wieder Ärzte und Schwestern ins Zimmer gekommen, um uns den aktuellen Stand der Dinge mitzuteilen, zum Beispiel wie lange es noch dauert "Dauert noch ein paar Stunden, das Organ soll ungefähr zwischen 04:00 und 05:00 Uhr hier eintreffen." Was für eine emotionale Folter, aber eben nicht zu ändern.
Warten, warten und noch ein wenig mehr warten
Die Stunden vergingen - mal schnell und mal extrem langsam. Wir überbrückten teilweise die Zeit mit ein wenig Unterhaltung vom Handy, dass neben uns lag, welches die Stille im Raum und das Nachdenken ein wenig verdrängen sollte. Es klappte sogar so gut, dass ich ab und zu für eine kurze Zeit eingeschlafen bin. Dann war es 04:00 Uhr... dann 04:30 Uhr... 05:00 Uhr... 05:30 Uhr... und immer noch keine Info!
Um ca. 06:30 Uhr kam dann endlich ein weiterer Arzt, der wohl die Nachtschicht vom vorherigen Arzt übernommen hatte, und teilte uns mit, dass sich das Organ ein wenig verspätet und erst zwischen 08:00 und 09:00 Uhr hier eintreffen wird und es dann erst losgehen wird.
Ich schickte meinen Mann immer mal wieder raus an die frische Luft, um durchzuatmen und sich ein wenig die Beine zu vertreten. Gegenüber der Klinik ist eine Bäckerei und ich bat ihn nun, sich doch mal einen Kaffee und ein Frühstück schmecken zu lassen, bis 09:00 Uhr dauert es ja noch ein wenig! Währenddessen konnte ich die Augen zu machen und noch eine Runde schlafen, was erstaunlich gut funktionierte. Oh mann, was hatte ich für einen Hunger, als ich wieder wach war.
Nach endlosen Stunden des Wartens, kam dann endlich eine Schwester und brachte das obligatorische OP-Hemd und die unglaublich bequemen sowie sexy Kompressionsstrümpfe und sagte: "So gegen 10:00 Uhr werden Sie abgeholt, alle bisherigen Tests waren positiv!". Also schnell meinen Mann angerufen und ihn zurückbeordert 😜. Aus 10:00 Uhr wurde dann aber eher 12:00 Uhr!
Start der Nierentransplantation - oder auch nicht
Die Tür zum Zimmer ging auf und die Stunde für mich hatte geschlagen... es ging los... die OP und "endlich ein neues Leben mit einer Niere war nicht mehr weit"... dachte ich!
Im OP-Saal angekommen wurde ich an tausend Apparaturen angeschlossen, hatte nette Gespräche mit den anwesenden Schwestern und war schließlich komplett fertig für die Narkose und die geplante Nierentransplantation. Ein weiterer Arzt kam dann und nahm mir noch einmal Blut ab für die allerletzte Kreuzprüfung.
Nach nicht langer Zeit auf diesem OP-Tisch kam der besagte Arzt zurück, stellte sich vor mich, verschränkte die Arme hinter sich und schaute mich an. Ich sah nur seine Augen an.
Dann sagte er das, was man nicht hören will aber leider passieren kann. Auch wenn man im Aufklärungsgespräch darauf vorbereitet wird, weil es in einem von 100 Fällen passieren kann, ist die folgende Aussage dennoch ein Schlag: "Frau Reich, wir haben Ihnen ja noch einmal Blut abgenommen, um sicher zu sein, das wirklich alles passt. Und ich muss Ihnen leider mitteilen, das wir hier abbrechen müssen!".
Es war eine STILLE IM OP - beim gesamten Team! Alle ließen plötzlich Ihre Arbeit ruhen, stürmten an mich ran und waren den Tränen nah. Es bedarf keiner "WORTE", die Augen, die ich bei den anwesenden Personen sah, sprachen Bände. Damit war ich also die eine besagte Person von 100.
Ich wurde dann wieder von allen Geräten abgeschlossen, wir verabschiedeten uns dann alle noch kurz und wurde dann wieder aus dem OP-Saal geschoben.
Alles wieder auf Anfang
Wieder auf der Station in meinem Zimmer angekommen, zog ich mir in Windeseile meine Sachen wieder an, packte meine Tasche und ging in den Wartebereich um meinen Mann anzurufen, der mit Sicherheit schon Zuhause angekommen war. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände, hatte man ihm nämlich fälschlichweise mitgeteilt, dass die Transplantation stattfindet, es ca. 6-7 Stunden dauert und ihm von allen dringend empfohlen wurde, auf jeden Fall nach Hause zu fahren. Er sollte zu Hause zur Ruhe kommen und nicht stundenlang in der Klinik warten.
"Ring...ring... "Haaaallooooo...!?"" hörte man ein wenig verstört am anderen Ende der Strippe - offensichtlich per Freisprecheinrichtung im Auto. "Ja hallo Schatz, ich bin es. Du kannst mich abholen!" Mein Mann: "Was machst Du am Telefon, ich denke Du bist bei der OP!?".
Eine halbe Stunde später stand mein Mann dann wieder vor mir und war sichtlich sprachlos. Ich lies mir dann aber noch mein verdientes Mittagessen in der Klink schmecken, welches ich mir auf der Station von der Küche hab zubereiten lassen 😉.
Währenddessen hat die Stationsärztin meinen Entlassungsbrief geschrieben. Mit diesem in der Hand verließen mein Mann und ich die Station, stiegen ins Auto, fuhren aus der Tiefgarage und hatten noch etwa eine Stunde Fahrt vor uns.
Zuhause angekommen habe ich alles einmal Revue passieren lassen. Es dauerte eine Weile, bis man sowas wirklich versteht und begreift, was in den letzten 16 Stunden abgelaufen ist.
Alles auf Anfang!
Nach ein wenig Abstand zu diesem Tag steht aber fest: dann eben beim nächsten Mal!
Eure Tanni 😊
Bildnachweise: Bild mit Hilfe von KI generiert
